Anschreiben in der Bewerbung – das braucht man doch gar nicht mehr, oder doch?

10. Mai 2025

Bestimmt warst du auch schon einmal in der Versuchung, eine Bewerbung ohne Anschreiben zu versenden, oder? Zu verlockend sind die Aussagen einiger Großkonzerne, dass du bei Bewerbungen auf ein Anschreiben verzichten darfst. Unternehmen haben das Ziel, es Bewerbern so einfach wie möglich zu machen. Das Stichwort ist hier der Fachkräftemangel. Aus Bewerbersicht hört sich dies im ersten Moment großartig an. Schließlich kostet die Erstellung eines Anschreibens viel Zeit und ist im Rahmen einer Bewerbung wohl das Aufwendigste. 


In diesem Blogbeitrag schauen wir uns an, warum du trotzdem darüber nachdenken darfst, ein Bewerbungsschreiben zu erstellen. Ich zeige dir, welchen großen Vorteil du mit einem Anschreiben hast und wie es dir helfen kann, deinen Traumjob zu ergattern. 


Mit einem Anschreiben in deiner Bewerbung punkten

Stelle dir vor, du bist Personaler eines Unternehmens. Du möchtest eine kaufmännische Stelle besetzen. Das kaufmännische Spektrum ist breit gefächert und du suchst eine Person, die sich in der Logistikabteilung um Lieferscheine, Zoll und Versand kümmert. Du hast 3 Bewerbungen erhalten. Welchen Bewerber würdest du zum Vorstellungsgespräch einladen und wem würdest du direkt absagen?


Bewerbung Nr. 1 – Nur mit Lebenslauf

Bewerberin Anna sendet einen Lebenslauf mit allen Eckdaten zu ihrer Berufserfahrung. Seit 2020 arbeitet sie als kaufmännische Mitarbeiterin, vorher hat sie eine kaufmännische Ausbildung gemacht. Das sind prima Voraussetzungen. Allerdings hast du keine Informationen, welche Aufgaben sie in ihrer aktuellen Stelle übernimmt, ab wann sie zur Verfügung stehen kann und wie ihre Gehaltsvorstellungen sind. 


Bewerbung Nr. 2 – Lebenslauf mit zusätzlichen Angaben

Bewerber Dennis sendet dir seinen Lebenslauf, ebenfalls mit all seinen Eckdaten. Zudem hat er dem Lebenslauf eine Information beigefügt, ab wann er zur Verfügung stehen kann und was sein Gehaltswunsch ist: Dennis könnte bereits innerhalb von 4 Wochen beginnen und seine Gehaltsvorstellung passt in den Gehaltsrahmen. Leider sind keine Informationen enthalten, welche Tätigkeiten er bisher ausgeführt hat. Ist er aktuell in der Buchhaltung tätig, im Einkauf oder im kaufmännischen Innendienst? 


Bewerbung Nr. 3 – Lebenslauf und Anschreiben

Nun kommt noch Bewerberin Leonie ins Spiel. Leonie sendet dir einen Lebenslauf inkl. Bild und ein Anschreiben. Im Anschreiben beschreibt sie ihre aktuelle Tätigkeit als kaufmännische Angestellte im Logistikbereich. Leonie konkretisiert ihre genannten Aufgaben durch Beispiele aus ihrem Arbeitsalltag. Diese Erfahrungen passen ziemlich gut auf die ausgeschriebene Stelle. Zusätzlich erklärt Leonie, dass die wirtschaftliche Lage im aktuellen Unternehmen nicht besonders gut ist und sie deshalb eine neue Arbeitsstelle sucht. Im Lebenslauf kannst du außerdem ihre bisherigen Berufsstationen nachlesen und ihr Bild rundet den bisher sympathischen Eindruck ab. Ihre Gehaltswünsche sind etwas höher als die von Dennis und Anna, passen aber dennoch in das Gehaltsgefüge.


Gute Gründe für ein Anschreiben in der Bewerbung

Anhand dieser Situationsbeschreibung kannst du recht einfach erkennen, welchen Vorteil Leonie durch ihr Anschreiben im Bewerbungsprozess hat. Sie hat direkt die Nase vorn, da sie das Unternehmen mit allen wichtigen Informationen versorgt hat. Vielleicht bringen Anna und Dennis die gleichen oder noch bessere Voraussetzungen mit. Beide haben allerdings versäumt, dies dem Unternehmen mitzuteilen, und rutschen dadurch automatisch in die Kategorie „vielleicht interessant, aber erstmal on hold“. 


Tipps für die Formulierung eines Anschreibens 

Wir haben nun festgestellt, dass ein Anschreiben eine große Bedeutung für deine Bewerbung hat. Nun möchte ich dir noch einige Tipps mitgeben, wie dein Anschreiben richtig gut wird. Dabei können wir uns am Beispiel der Bewerberin Leonie orientieren.


1.) Halte die richtige Länge ein

Die gute Nachricht vorab: Du musst keinen Roman schreiben. Ein Anschreiben ist super wichtig, allerdings gibt es hier einen schmalen Grat hinsichtlich der Länge. Ist das Anschreiben zu lang und nicht gut strukturiert, springt der Personaler zur nächsten Bewerbung, ohne das Anschreiben richtig gelesen zu haben. Achte daher unbedingt darauf, dass dein Anschreiben max. 1 Seite lang ist – so wie Leonies Anschreiben. Sie hat auf die Länge geachtet und zudem für eine gute Struktur gesorgt, indem sie Absätze für verschiedene Themenbereiche verwendet hat. 


2.) Finde den richtigen Einstieg ins Anschreiben

Verzichte im Anschreiben unbedingt auf die üblichen Floskeln (z.B. „Hiermit bewerbe ich mich auf die Stelle XY, von der ich auf Ihrer Internetseite gelesen habe…). Diese Sätze liest ein Personaler ständig und sie machen den Leser nicht besonders neugierig. Überlege dir daher einen spannenden Einstieg, zum Beispiel über dich persönlich, über deine Verbindung zum Unternehmen oder über fachliche Themen, die zur Stelle passen. Dann wird ein Personaler gerne weiterlesen wollen. 


Lies dir die folgenden beiden Einleitungen durch und entscheide, welches Anschreiben du als Personaler gerne weiterlesen würdest: 


Bewerber Max: 

„Mit großem Interesse habe ich Ihre Stellenanzeige für die Position als kaufmännischer Sachbearbeiter im Bereich Logistik gelesen. Aufgrund meiner fundierten Kenntnisse und Erfahrungen bin ich überzeugt, eine wertvolle Unterstützung für Ihr Team zu sein. Daher freue ich mich, mich Ihnen als engagierter und kompetenter Bewerber vorzustellen.“ 


Bewerberin Leonie: 

„Beim ‚Tag der offenen Tür‘ vor etwa zwei Jahren konnte ich erstmals einen Einblick in Ihr Unternehmen bekommen. Besonders beeindruckt hat mich damals das offene und innovative Umfeld, zum Beispiel die fahrerlosen Transportsysteme in der Logistik. Als ich nun Ihre Stelle als Sachbearbeiterin im Logistikbereich entdeckt habe, dachte ich sofort: Das passt perfekt! Mit meiner Erfahrung in der kaufmännischen Abwicklung von Logistikprozessen und meinem Interesse an Digitalisierungsmöglichkeiten innerhalb der Logistik bringe ich das mit, was für diese Position gefragt ist.“ 


Erkennst du den Unterschied? Je mehr du dich von den „Standard-Floskeln“ abwendest, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Personaler weiterlesen möchte. 


3.) Betone Wichtiges für deine Traumstelle

Hebe relevante Punkte / Schlagworte in deinem Anschreiben mit einer fetten Schrift oder einer Farbe hervor. So kann der Personaler schnell wichtige Inhalte erfassen. Relevante Angaben in unserem Beispiel wären: „Logistik“, „Erfahrungen in der Zollabwicklung“, „Experte im Versand“. Diese Formulierungen ziehen die Blicke des Personalers förmlich an und er bekommt einen schnellen Überblick über deine Kompetenzen und Erfahrungen. 


Achte auf formale Richtigkeit in der Bewerbung

Lass dein Anschreiben von einer anderen Person Korrekturlesen. Alternativ kann beispielsweise auch ChatGPT die Rechtschreibung und Grammatik überprüfen. Eine fehlerfreie Bewerbung macht einen besonders ordentlichen und professionellen Eindruck beim Personaler.


4.) Beantworte die wichtigsten Fragen 

Einige Themen interessieren den Personaler besonders. Diese solltest du daher unbedingt in deinem Anschreiben unterbringen: 

  • Warum passt du optimal zur Stelle: In welchen Aufgaben, die für die Stelle relevant sind, hast du beispielsweise bereits Erfahrungen gesammelt? Konkrete Beispiele sind hier immer eine sehr gute Idee.
  • Was sind deine Beweggründe, die Arbeitsstelle zu wechseln?
  • Wie ist deine aktuelle Kündigungsfrist und welche Gehaltsvorstellung hast du?


5.) Achte auf Individualität beim Anschreiben

Last but not least: Passe das Anschreiben auf jedes Unternehmen neu an. Natürlich musst du dich nicht neu erfinden. Du kannst selbstverständlich Formulierungen aus bereits verfassten Anschreiben übernehmen. Es sollte am Ende nur stimmig zum Unternehmen und zur Stelle sein. 


Einblick in die HR-Welt: Du glaubst nicht, wie oft ich in Anschreiben falsche Ansprechpersonen, ein veraltetes Datum oder in der Betreffzeile ganz andere Jobs (die wir im Unternehmen gar nicht haben) lese. Mache das besser und zeige dem Unternehmen, dass du sorgfältig und strukturiert arbeitest. Alles andere macht absolut keinen guten Eindruck.


Fazit: So wichtig ist das Anschreiben für deine Bewerbung

Das Anschreiben bleibt ein wesentliches Element im Bewerbungsprozess. Es bietet Bewerbern die Möglichkeit, sich über den Lebenslauf hinaus zu präsentieren und dem Arbeitgeber genau zu zeigen, warum sie die ideale Besetzung für die Stelle sind. Trotz Fachkräftemangel gibt es, besonders auf beliebte Stellen, weiterhin einige Bewerber. Da du die Bewerbungslage deines Zielunternehmens nicht kennst, solltest du gut vorbereitet sein, um mit deinen Bewerbungsunterlagen die Nase vorn zu haben. Ein gut strukturiertes, persönlich abgestimmtes Anschreiben kann dir helfen, die Konkurrenz hinter dir zu lassen und deinen zukünftigen Lieblingsjob zu ergattern. Besonders leise Persönlichkeiten profitieren davon. Nutze das Anschreiben als deine stille Bühne – es könnte der Schlüssel zu deinem Erfolg sein.


Möchtest du die Schritte im Bewerbungsprozess nicht allein gehen? Dann stehe ich gerne an deiner Seite und wir bereiten dich optimal darauf vor. Von der Stellensuche, über die Erstellung deiner Bewerbungsunterlagen (inkl. Anschreiben 😊) bis hin zum Vorstellungsgespräch. Zusammen greifen wir nach deinem Traumjob. 

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Hast du das Gefühl, dass es als leise oder introvertierte Persönlichkeit im Bewerbungsprozess schwieriger ist, zu überzeugen? Denkst du, dass Extrovertierte in Vorstellungsgesprächen und bei der Jobsuche automatisch die Nase vorn haben? Sie können sich schließlich gut präsentieren und wirken auf Anhieb selbstbewusst. Doch auch als introvertierte Person hast du wertvolle Stärken, die im Bewerbungsprozess einen echten Vorteil darstellen können. Dir bieten sich sogar gleich mehrere Gelegenheiten, um diese in den Vordergrund zu stellen und die Personaler damit zu beeindrucken. In diesem Beitrag zeige ich dir, wie du als leise Persönlichkeit erfolgreich durch den Bewerbungsprozess gehst und welche spezifischen Fähigkeiten du einsetzen kannst, um selbstbewusst und authentisch zu punkten. So setzt du deine Stärken im Bewerbungsprozess ein 1.) Sorgfalt und Gründlichkeit schaffen überzeugende Bewerbungsunterlagen Bevor es überhaupt richtig losgeht, darfst du erstmal deine Bewerbungsunterlagen als stille Bühne nutzen. Vor allem leise Menschen können in diesem ersten Step des Bewerbungsprozesses richtig glänzen, ohne nur ein Wort zu sagen. Ihre Stärke ist es nämlich oft, besonders sorgfältig und gründlich zu arbeiten, sodass sie sich bereits vor dem Vorstellungsgespräch optimal bei den Unternehmen präsentieren und einen guten ersten Eindruck hinterlassen können. Nutze also diese Stärke, indem du deine Bewerbungsunterlagen ansprechend gestaltest, gut strukturierst und dem Personaler genau das gibst, was er wissen möchte. "Wusstest du, dass Personaler innerhalb von wenigen Sekunden entscheiden, ob eine Bewerbung interessant ist oder weniger?" Es bedarf einem Lebenslauf, in welchem schnell zu erkennen ist, wie deine bisherige berufliche Laufbahn aussieht. Das Anschreiben darf interessante Facts über dich enthalten und ausgewählte Anhänge, welche für die angestrebte Position relevant sind, unterstreichen deine Kenntnisse und Fähigkeiten. Ein Foto ist zwar keine Pflicht in Bewerbungen, ich empfehle es aber immer, es macht den Bewerbungsprozess von Beginn an persönlicher. 2.) Strukturierte Vorbereitung sorgt für ein selbstsicheres Auftreten im Vorstellungsgespräch Sobald ein Vorstellungsgespräch ansteht, nimmt die Vorbereitung, gerade für leise Menschen, einen hohen Stellenwert ein. Besonders wenn zunächst eine große Unsicherheit im Vordergrund steht und dir allein das Wort „Vorstellungsgespräch“ Angst bereitet, besteht damit die Chance, das Blatt zu wenden. Leise Menschen lieben es, vorbereitet zu sein und strukturiert vorzugehen. Nutze diese Stärke, um mögliche Themen und Fragen zu recherchieren und entspannter in dieser Phase des Bewerbungsprozesses einzusteigen. Zu wissen, wie ein Vorstellungsgespräch abläuft, welche Fragen gestellt werden können und wie deine Antworten darauf sein werden, wird dir ein Gefühl der Sicherheit vermitteln. Außerdem verschafft es dir einen Vorteil gegenüber Kandidaten, die sich nur oberflächlich oder gar nicht vorbereiten. Meine HR-Tipps an dieser Stelle an dich: Übung macht den Meister: Bewirb dich zunächst auf eine Stelle, die nicht unbedingt deine Traumstelle ist. Warum? Um zu üben. Dir kann nichts passieren, da du die Stelle ja sowieso nicht unbedingt haben möchtest. Dein Vorteil: Du sammelst Erfahrungen, du kannst nach deinem Vorstellungsgespräch reflektieren, was gut und was weniger gut gelaufen ist, und bist dann, sobald deine Traumstelle anklopft, umso besser vorbereitet. Deine eigene Vorstellung: Du kannst davon ausgehen, dass du dich selbst im Vorstellungsgespräch vorstellen wirst. In der Regel ist dies auch die erste Frage des Unternehmens an dich. Deine Aufregung wird an dieser Stelle vielleicht noch recht hoch sein. Die gute Nachricht: Du kannst deine Vorstellung vorab optimal vorbereiten und dir überlegen, was du sagen möchtest. Die erste Hürde kann also mit einer sehr guten Vorbereitung genommen werden. Bereite dich auf gängige Fragen in einem Vorstellungsgespräch vor, damit du bereits eine grobe Orientierung hast, wie deine Antwort ausfallen könnte. Mehr dazu in Punkt 3. 3.) Selbstreflektion punktet bei schwierigen Fragen Manche Fragen im Vorstellungsgespräch sind einfach zu beantworten, bei anderen muss man doch erstmal etwas nachdenken. Und hier kann wieder eine der Stärken von leisen Menschen ins Spiel kommen: Leise Menschen sind oft sehr reflektiert und denken viel über sich selbst nach. Nutze diese Eigenschaft, um gängige Fragen im Vorstellungsgespräch wortgewandt zu beantworten und Eindruck zu hinterlassen. Damit zeigst du, dass du dich auf das Vorstellungsgespräch vorbereitet hast du dich selbst gut einschätzen kannst. Fragen, die immer wieder bei Vorstellungsgesprächen gestellt werden und bei welchen du die Antwort vielleicht nicht direkt aus dem Ärmel schütteln kannst, sind: „Was sind deine Stärken und Schwächen?“ (oder von Personalern auch gerne etwas anders formuliert: „Was würden Ihre Freunde über Sie sagen?“). „Wo sehen Sie sich in 5 Jahren?“ „Warum sollen wir ausgerechnet Sie einstellen?“ Diese Fragen klingen vielleicht ein bisschen so, als würden sie aus dem Schulbuch kommen. Sie werden aber weiterhin gerne und oft gestellt. Mein HR-Insight für dich: Die wenigsten haben auf diese Fragen eine gute Antwort. Viele sind an der ein oder anderen Stelle sogar so überfordert, dass sie überhaupt nicht antworten können. Das ist also deine Chance, es besser als alle anderen zu machen.